15. August 2018: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat zu Beginn seiner „Netzausbaureise“ den mit Spannung erwarteten Aktionsplan Netze vorgelegt. Damit rückt er aber nicht nur den Netzausbau im Übertragungsnetz in den Fokus, er widmet sich auch längst überfälligen Maßnahmen im Verteilnetz. Von Sarah Schweizer

Die Herausforderungen im Stromnetz sind bereits seit vielen Jahren bekannt – durch die Verschiebung der Erzeugungszentren und den Umbau der Energiewirtschaft sind von Jahr zu Jahr mehr und bessere Netze erforderlich. Die Realität weicht jedoch immer stärker davon ab – trotz der Novellierungen im Netzausbaubeschleunigungsgesetz und Energieleitungsausbaugesetz hält der Netzausbau nicht Schritt. Die Folge sind immer neue Rekordkosten für Redispatch und Einspeisemanagement und – nachdem sich auch der Vorrang der Erdverkabelung als ein sehr langsamer und mühsamer Prozess herausgestellt hat - hilflose anmutenden Versuche des Gesetz- und Verordnungsgebers mit sog. „Netzausbaugebieten“ und einer „Verteilernetzkomponente“ der Situation Herr zu werden.

Mit seinem „Aktionsplan Netze“ macht Bundeswirtschaftsminister Altmaier den Netzausbau nun zur Chefsache. Im Übertragungsnetz werden dafür zahlreiche Maßnahmen vorgeschlagen, die bereits im Rahmen des sog. dena-Stakeholder-Prozess herausgearbeitet wurden. Hierzu gehört z.°B. Freileitungsmonitoring, Hochtemperaturleiterseile, der Einsatz von Phasenschiebern, automatisierte Betriebsführung aber auch Einbeziehung aller Erzeugungsanlagen (und damit auch EE- und KWK-Anlagen) in das Engpassmanagement sowie ein besseres Controlling des Netzausbaus und die Möglichkeit der vorausschauenden Planung (Stichwort: Leerohre). Interessant ist jedoch, dass es sich das BMWi nicht so einfach macht, lediglich den Netzausbau im Übertragungsnetz zu betrachten. Ein gewichtiger Teil der „To Do`s“ zielt auf das Verteilernetz ab. Hierbei geht es um Maßnahmen wie regelbare Ortsnetztrafos, Aufbau eines Smart Grid, bessere Zusammenarbeit von Übertragungs- und Verteilernetzen beim Engpassmanagement sowie ökonomische Anreize in der Anreizregulierungsverordnung.

Es ist völlig richtig, dass nicht nur im Übertragungsnetz, sondern vor allem auch im Verteilernetz dringender Handlungsbedarf besteht. Anderenfalls werden sich die Probleme, die sich heute Übertragungsnetz zeigen, in wenigen Jahren so oder so ähnlich im Verteilernetz angekommen sein. Der Zubau der Elektromobilität, neue Verbraucher und Sektorkopplung, dezentrale Versorgungsmodelle – all das erfordert ein zukunftsfähiges und intelligentes Verteilernetz, für das die Weichen jetzt gestellt werden müssen.