02. Juli 2018: Die Bundesregierung hat einen Erfahrungsbericht zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) vorgelegt, in dem sie den Stand und die wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre zusammenfasst und bewertet. Wir haben uns für Sie die Highlights angeschaut.

Wenig überraschend ist zunächst, dass die Bundesregierung die Reformen im EEG grundsätzlich positiv bewertet. Die Neuerungen sowohl im EEG als auch im Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz und im Energiewirtschaftsgesetz haben ihrer Ansicht nach wesentlich dazu beigetragen, dass die Energiewende für alle Beteiligten planbarer und kosteneffizienter geworden ist. Und die Ausbauzahlen geben ihr zunächst recht. Der Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch stieg in 2017 auf 36,2 %. Dies ist der bislang stärkte Anstieg innerhalb eines Jahres.

Der Stand der Erneuerbaren in Deutschland

Insgesamt waren bis Ende 2017 42,5 GW PV-Anlagen installiert. Das entspricht einer Stromerzeugung von 40 TWh und damit 6,6 % am Bruttostromverbrauch. Das im EEG definierte jährliche Ausbauziel von 2,5 GW wurde bei PV jedoch bereits das vierte Jahr in Folge nicht erreicht (in 2016: 1,5 GW; in 2017: 1,7 GW). Bei Wind Onshore lag die installierte Leistung Ende 2017 bei rund 50 GW, die rund 89 TWh Strom erzeugt haben. Dies entspricht 14,7 % am Bruttostromverbrauch. Im Gegensatz zu PV wurde hier der jährliche Ausbaupfad von 2,5 GW (netto) bzw. 2,8 GW in den letzten Jahren deutlich überschritten (in 2015: 3,8 GW; in 2016: 4,4 GW; in 2017: 5,5 GW). Ähnlich verhält es sich bei Wind Offshore: Im EEG ist für 2020 als Ziel eine installierte Leistung von 6,5 GW und in 2030 von 15 GW vorgegeben. Werden alle Projekte mit Netzanbindung realisiert, wird das Ziel für 2020 deutlich übertroffen werden und voraussichtlich 7,5 GW betragen. Die installierte Leistung bei Windenergie auf See lag Ende 2017 bei rund 5,4 GW, die sich auf rund 4,7 GW in der Nordsee und rund 700 MW in der Ostsee aufteilen. Die Stromerzeugung aus Windenergie auf See erreichte in 2017 18 TWh , was einem Anteil am deutschen Bruttostromverbrauch von 3 % entspricht.

Die Ausschreibungen funtionieren

Auch mit den bisherigen Erfahrungen zu Ausschreibungen zeigt sich die Regierung zufrieden. So hatten alle Ausschreibungsrunden zu PV ein hohes Wettbewerbsniveau. Der durchschnittliche Zuschlagspreis in der ersten Ausschreibungsrunde ist von 9,17 ct/kWh um rd. 50 Prozent auf 4,33 ct/kWh in der Ausschreibungsrunden Februar 2018 gesunken. Hierbei entfielen auf Brandenburg fast 25 Prozent der bezuschlagten Leistung, auf Mecklenburg-Vorpommern und Bayern rund 22 Prozent, sowie 10 Prozent auf Sachsen-Anhalt. Bei Wind Onshore war die Nachfrage bei den Ausschreibungen in 2017 ebenfalls durchgängig hoch, wobei in 2018 jedoch erstmals weniger Gebote abgegeben wurden als Volumen ausgeschrieben war. Im Jahr 2017 entfiel zudem ein Anteil von 97 % des Zuschlagsvolumens auf Bürgerenergiegesellschaften, was für großen Unmut sorgte und mit der diese Woche in Kraft getretene EEG-Novelle korrigiert werden soll.

Bei Wind Onshore sanken die durchschnittlichen, mengengewichteten Zuschlagswerte von 5,71 ct/kWh in der ersten Runde, auf 4,28 ct/kWh und auf 3,82 ct/kWh in der zweiten und dritten Runde. Im Jahr 2018 stieg der Zuschlagswert dann jedoch wieder auf 4,73 ct/ kWh in der ersten bzw. 5,73 ct/kWh in der zweiten Runde an und liegt damit auf Niveau der ersten Ausschreibung. Wenig überraschend stellt die Bundesregierung in ihrem Bericht zudem fest, dass das festgelegte Netzausbaugebiet durch deutlich geringeren Zubau Wirkung zeigt. Wenig überraschend deshalb, weil die Zuschlagsmenge in diesem Gebiet stark begrenzt wurde. Insgesamt entfielen auf die Bundesländer Brandenburg und Niedersachsen rund 50 % der Projekte, mit etwas Abstand folgen Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Das angestrebte Ziel, den Zubau bundesweit zu verteilen, wurde damit nicht erreicht.

Auch bei den gemeinsamen Ausschreibungen Wind Onshore und PV war der Wettbewerb hoch. Die Zuschläge gingen jedoch alle an PV Anlagen. Und bei den grenzüberschreitenden Ausschreibungen mit Dänemark setzen sich ausschließlich Angebote in Dänemark mit einem durchschnittlichen Zuschlagswert von 5,36 ct/kWh durch.

Erlösausfall aufgrund negativer Preise steigt

Die Stunden mit negativen Strompreisen sind insgesamt angestiegen. Dies bekamen auch die EE-Anlagen zu spüren. Nach § 51 EEG entfällt der EEG-Zahlungsanspruch, wenn der Börsenstrompreis an mindestens sechs aufeinanderfolgenden Stunden negativ ist. Hiervon war im Jahr 2017 Anlagenleistung von 9.200 MW betroffen. Die Anzahl der für § 51 EEG 2017 relevanten Stunden ist, verglichen mit dem Jahr 2016 mit 55 (von insgesamt 97)
Stunden, im Jahr 2017 zwar auf 88 (von insgesamt 146) Stunden angestiegen.

Auch zur Zuordnung der Kostenbestandteile der EEG-Umlage auf die einzelnen Energieträger im Jahr 2018 äußert sich die Bundesregierung: Mit 2,71 ct/kWh hat Solarenergie den größten Anteil. Es folgen Biomasse mit 1,83 ct/ kWh, Windenergie an Land mit 1,63 ct/kWh und Windenergie auf See mit 1,04 ct/kWh. Wasserkraft, Geothermie und Gase haben mit 0,11 ct/kWh nur einen geringen Anteil an der aktuellen EEG-Umlage.

Angestiegen sind die Strommengen in Eigenversorgung. Diese sind in den Jahren 2014 bis 2016 von 43 auf 51 TWh gestiegen. Das Gros der Anlagen zur Eigenversorgung war in diesen Jahren nach wie vor von der EEG-Umlage befreit.