21. Februar 2019: Speicher sind so etwas wie die Gretchenfrage der Energiewende. Wir wollen daher von den Vertretern der Regierungskoalition wissen: „Wie hältst Du`s mit Speichern?“ Darüber sprach Rechtsanwältin Sarah Schweizer mit Mark Helfrich, Berichterstatter für Energiespeicher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag.

In Ihrem Abschlussbericht betont die Kohlekommission wie wichtig das Thema Speicher für das Gelingen der Energiewende ist. Teilen Sie diese Auffassung? Wenn ja – ab welchem Zeitpunkt brauchen wir Gewissheit, dass die Versorgung mit Speichern funktioniert?

Helfrich: Energiespeicher sind nicht nur wichtig, sondern neben Gaskraftwerken einer der elementaren Bausteine, ohne den die Energiewende nicht gelingen kann. Aus meiner Sicht haben Energiespeicher bereits jetzt in verschiedensten Einsätzen bewiesen, dass sie die Versorgung gewährleisten können. Entscheidend ist jedoch, dass der Ausbau der Speicher synchronisiert wird mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien bzw. dem Ausstieg aus der Kern- und der Kohlenergie.

Welche Eigenschaften muss der „Speicher der Zukunft“ erfüllen und sehen Sie hier schon eine Technologie an der Spitze?

Helfrich: Dem „Speicher der Zukunft“ kommt eine Vielzahl an Aufgaben zu. Er muss die volatile Stromerzeugung aus Solar- und Windenergieanlagen glätten sowie Regelleistung, Spannungshaltung, Frequenzregulieren und Lastmanagement ermöglichen. Eine der schwierigsten, aber die alles entscheidende Aufgabe ist die Versorgungssicherheit. Es muss gewährleistet werden, dass auch in Zeiten geringer erneuerbarer Stromerzeugung ausreichend gespeicherte Energie vorhanden ist, um Haushalte, Industrie, Gewerbe und Verkehr zu versorgen. All diese Aufgaben mit nur einer Technologie erledigen zu wollen, ist meines Erachtens nicht Erfolg versprechend. Je nach Einsatzzweck müssen ganz unterschiedliche Technologien zum Zuge komme. Kurzzeitspeicher, wie bspw. Batterien, können hervorragend Systemdienstleistungen bereitstellen. Sie eignen sich aber weniger dazu, viel Energie für längere Zeit zu speichern. Langzeitspeicher sind für diesen Zweck viel besser geeignet. Hierzu gehören beispielsweise (Pump-)Speicherkraftwerke, die bisher hauptsächlich als Spitzenlastkraftwerke genutzt werden, seit Jahren fest etabliert sind und gut funktionieren. (Pump-)Speicherkraftwerke können daher sowohl als Kurzzeit- als auch Langzeitspeicher fungieren. In der Zukunft benötigen wir in Deutschland allerdings viel mehr Langzeitspeicher. Hier sehe ich Power-to-Gas als die entscheidende Technologie an, weil sie den Stromsektor mit dem Gassektor koppelt und die vorhandenen großvolumigen Erdgasspeicher in den Dienst der Energiewende stellt. Power-to-Gas ist jedoch noch nicht über das Stadium der Reallabore hinausgegangen. Das Hauptproblem ist aus meiner Sicht, dass die Kosten sowohl für Energiespeicher als auch für die Wasserstoff-Elektrolyse noch zu hoch sind bzw. keine Nachfrage nach Energiespeicherkapazität bzw. nach grünem Wasserstoff besteht.

Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht erforderlich, um mehr Speicher in den Markt zu bekommen?

Helfrich: Sowohl im Emissionshandel als auch im Stromgroßhandel fehlen Preissignale, die den Einsatz von Speichern belohnen. Zusätzlich ist das Fördersystem der erneuerbare Energien so ausgelegt, dass Vermarktungs- und Systemrisiken der Erneuerbaren fast vollständig auf die Stromkunden abgewälzt werden. Diese Risiken können Energiespeicher abfedern. Aber aufgrund des aktuellen Fördersystems besteht für die Erneuerbaren-Branche kein spürbarer Anreiz, in Speichertechnologien zu investieren. Dieses Investitionshemmnis muss abgebaut werden, um die Potenziale der Energiespeicher zu erschließen. Gerade im EEG muss es zu grundlegenden Korrekturen kommen, damit Energiespeicher marktbasiert und technologieoffen eingesetzt werden. Hierzu müssen aber auch Anlagenbetreiber und Vermarkter von erneuerbaren Energien – also die zukünftigen Hauptakteure im Strommarkt – sich den Herausforderungen der Energiewende stellen. Das Ziel ist die Schaffung eines geeigneten Marktumfeldes sowie eines regulatorischen Rahmens, um auch Energiespeichern die Teilnahme am Wettbewerb des Energiemarktes zu ermöglichen. Dafür braucht es stabile Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen.

Sehr geehrter Herr Bundestagsabgeordneter Helfrich, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch.