12. Februar 2019: Speicher sind so etwas wie die Gretchenfrage der Energiewende. Wir wollen daher von den Vertretern der Regierungskoalition wissen: „Wie hältst Du`s mit Speichern?“ Darüber sprach Rechtsanwältin Sarah Schweizer mit Bernd Westphalwirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der SPD Bundestagsfraktion.

In Ihrem Abschlussbericht betont die Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" wie wichtig das Thema Speicher für das Gelingen der Energiewende ist. Teilen Sie diese Auffassung? Wenn ja – ab welchem Zeitpunkt brauchen wir Gewissheit, dass die Versorgung mit Speichern funktioniert?

Westphal: Ohne Frage ist das Thema Energiespeicher zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende. Deshalb begrüße ich es explizit, dass sich die WSB-Kommission in ihrem Abschlussbericht prominent mit diesem Thema befasst. Sie setzt damit – wie mit dem gesamten Bericht – wichtige Impulse. Die Energiewende bleibt ein Prozess und je höher der Anteil von volatilem Strom am Strommix wird, desto wichtiger werden die Speicherkapazitäten. Die Zeit der Pilotphasen muss mit dem Ausstieg aus der Kernenergie vorbei sein. Der Aufbau von Speichern muss mit dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren synchronisiert werden.

Welche Eigenschaften muss der „Speicher der Zukunft“ erfüllen und sehen Sie hier schon eine Technologie an der Spitze?

Westphal: Zuverlässigkeit, Flexibilität und Bezahlbarkeit sind sicherlich wichtige Eigenschaften. Im Übrigen bin ich auch in dieser Frage ein Anhänger von Technologieoffenheit, sehe aber insbesondere großes Potential für Wasserstoff-Technologie als Speicher. Beim Thema Power-to-X haben wir negativ formuliert Nachholbedarf oder positiv formuliert große Chancen. An Wasserstoff-Technolgie schätze ich unter anderem auch, dass sie in ein industrielles Gesamtgefüge eingebunden ist. Grundsätzlich brauchen wir aber ein breites Angebot von Speichern – von Großspeichern über dezentrale Speicher – je nachdem, ob Versorgungsengpässe überbrückt werden müssen – hierfür sind z.B. Pumpspeicherkraftwerke gut geeignet – oder ob Netzschwankungen kurzfristig ausgeglichen werden müssen.

Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht erforderlich, um mehr Speicher in den Markt zu bekommen?

Westphal: Ob Stromspeicher oder Energiespeicher – wir brauchen eine Diskussion über die Rahmenbedingungen, wie einen Markt für Flexibilitätsoptionen, und ganz besonders Entgelte, Abgaben und Umlagen im gesamten Energiebereich. Hier hat sich Minister Altmaier bisher jedoch verweigert. Die WSB-Kommission gibt eine Reihe von Hinweisen, u.a. regt sie an, die Etablierung von Marktanreizmechanismen für grünen Wasserstoff zu prüfen. Auch diesen Vorschlag unterstütze ich.

Sehr geehrter Herr Bundestagsabgeordneter Westphal, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch.