03. Dezember 2017: Ende November haben Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt ihren Monitoringbericht 2017 vorgelegt und die Entwicklungen im Jahr 2016 bewertet. Die interessantesten Punkte im Strombereich haben wir für Sie näher angeschaut. Von Sarah Schweizer

Zur Nettostromerzeugung in Deutschland stellt die BNetzA fest, dass diese im Jahr 2016 um 6 TWh auf rd. 600,3 TWh anstieg. Dabei erzeugten Erdgaskraftwerke nach Jahren mit rückläufigen Erzeugungsmengen deutlich mehr Strom als noch im Jahr 2015 (+37,7 Prozent) und damit in etwa so viel Strom wie im Jahr 2012. Eine Ursache sind die Preisentwicklungen bei den Energieträgern Steinkohle und Erdgas. Sinkenden Gaspreisen an Termin- und Spotmärkten standen steigende Steinkohlepreise gegenüber. Diese Verschiebungen bei den Brennstoffpreisen machen zumindest moderne Gaskraftwerke gegenüber den ineffizientesten Steinkohlekraftwerken zunehmend konkurrenzfähig. Daneben bewirkt die zunehmende fluktuierende Einspeisung aus Erneuerbaren Energien tendenziell höhere Lastunterschiede. Zur Deckung dieser Lastspitzen eignen sich insbesondere flexible, nicht volatile Kraftwerke, wie Erdgaskraftwerke. Zu den CO2-Emisisonen stellt die BNetzA fest, dass nach den Meldungen der Kraftwerksbetreiber Braunkohlekraftwerke im Jahr 2016 mit 163,4 Mio. t CO2 über die Hälfte aller CO2-Emissionen der Stromerzeugung (53,6 Prozent) emittierten.

Auch im Jahr 2016 lagen die Stromexporte in Deutschland über den Stromimporten. Zwar ist das Handelsvolumen insgesamt zurückgegangen, dennoch bildet Deutschland die zentrale Drehscheibe des europäischen Stromhandels und ist ein wichtiger Akteur im zentralen Verbundsystem. Der deutsche Exportsaldo stieg von 51,0 TWh in 2015 auf 51,9 TWh in 2016.

Der Zubau der Erneuerbaren ging in 2016 weiter voran – insgesamt wurden 6,7 GW Erneuerbare Energien zugebaut, davon allein 4,2 GW Wind Onshore. Aufgrund des verhältnismäßig windarmen Jahres 2016 ging die Stromerzeugung aus Wind Onshore jedoch – trotz des Zubaus – gegenüber 2015 um rd. 6 % zurück. Die Stromerzeugung aus Wind-Offshore hingegen nahm um knapp 50 % zu. Insgesamt blieb die Gesamtstromerzeugung aus Erneuerbarer-Stromerzeugung in 2016 damit im Vergleich zum Vorjahr fast konstant, sie betrug 31,2 %. Zur Höhe der Erneuerbaren-Förderung stellt die BNetzA fest, dass Anlagenbetreiber im Jahr 2016 durchschnittlich 15,1 ct/kWh an Zahlungen aus dem EEG erhalten haben. Von der bis Ende 2016 insgesamt installierten Erneuerbaren-Leistung in Höhe von 104,5 GW, haben 99,7 GW einen Zahlungsanspruch nach dem EEG. Den bisher durchgeführten Ausschreibungsrunden für Erneuerbare attestiert die BNetzA (bis auf Biomasse) einen hohen Wettbewerb. Dadurch sank der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert bei PV in jeder Runde von 9,17 auf zuletzt unter 5 ct/kWh und bei Wind-Onshore von der ersten Runde von 5,71 ct/kWh zur zweiten Runde auf 4,28 ct/kWh. Bei den Ausschreibungen Wind Offshore im April 2017 lagen die Zuschlagswerte zwischen null und 6 ct/kWh. Für Biomasseanlagen lag das Gebotsvolumen hingegen nur bei etwa 1/3 des Ausschreibungsvolumens. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert aller Gebote lag bei 14,30 ct/kWh. Bei einer ersten gemeinsamen Ausschreibung für PV Freiflächenanlagen für die Länder Deutschland und Dänemark, gingen sämtliche Zuschläge an Projekte in Dänemark.

Im Bereich der Netzentgelte zeichnet sich nach einer Stabilisierung in den Jahren 2013-2015 gegenwärtig eine Steigerung im Bereich der Haushaltskunden ab. Die durchschnittlichen Netzentgelte sind im Zeitraum 1. April 2016 bis 1. April 2017 um etwa neun Prozent auf 7,30 ct/kWh gestiegen. Im Bereich der Gewerbekunden sind die Netzentgelte um fast sechs Prozent auf 6,19 ct/kWh gestiegen. Bei Kunden, die einen Energieverbrauch von 24 GWh pro Jahr (Industriekunden) aufweisen, sind die Netzentgelte um gut zehn Prozent auf 2,26 ct/ kWh angestiegen.

Weiter gesunken sind hingegen die durchschnittlichen Stromgroßhandelspreise. Im Vergleich zum Vorjahr verringerten sich die durchschnittlichen Spotmarktpreise (Base) an der EPEX SPOT um rund 8 Prozent auf 28,98 Euro/MWh – den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2007.

Erfreulich ist, dass in 2016 mehr als 4,6 Mio. Haushaltskunden ihren Stromlieferanten gewechselt haben. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Liberalisierung. Hinzu kommen rund 2,4 Mio. Vertragswechsel. Zudem hat sich die Anbietervielfalt auf dem Markt nochmals erhöht. Haushaltskunden können durchschnittlich zwischen 112 verschiedenen Lieferanten wählen. Zugleich hat die Zahl der Stromsperren abgenommen. Im Jahr 2016 wurden insgesamt etwa 328.000 Sperrungen gemeldet, was einem Rückgang um rund 31.000 im Vergleich zu 2015 entspricht. Der mengengewichtete Stromdurchschnittspreis ist über alle Vertragskategorien für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 2.500 bis 5.000 kWh unwesentlich um 0,06 ct/kWh auf 29,86 ct/kWh (inkl. USt) gestiegen und somit stabil. Dabei machen Steuern, Abgaben, Netzentgelte und Umlagen in Deutschland rund 78 Prozent des Gesamtpreises aus. 

Weniger erfreulich sind hingegen die Nachrichten zum Netzausbau. Von den insgesamt erforderlichen rund 1.800 Leitungskilometern nach EnLAG sind Ende 2016 erst 40 % realisiert. Die ÜNB rechnen mit der Fertigstellung von etwa 80 Prozent der EnLAG-Leitungskilometer bis zum Jahre 2020. Von den Vorhaben nach dem BBPlG mit einer Gesamtlänge von 5.900 km sind erst rund 150 km realisiert. Zum weiter erforderlichen Netzausbau führt die BNetzA aus: „Mittel- bis langfristig wird sich die Frage stellen, ob und ggf. wo weitere großräumige HGÜ-Verbindungen zur sinn- und maßvollen Erweiterung des Netzes in Betracht kommen. Der Ausbau des Wechselstromnetzes ist davon abhängig. Bis zum Jahr 2030 sind technologische Fortschritte denkbar, die den weiteren Netzausbaubedarf dämpfen könnten. Tendenziell wird dieser dennoch über den derzeit erforderlichen Ausbaubedarf hinausgehen, da er mit dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit mit dem Erfolg der Energiewende verknüpft ist“. 

So bleibt auch der Redispatchbedarf verglichen mit den Jahren vor 2015 weiterhin auf einem hohen Niveau, wenn er sich im Vergleich zum Vorjahr auch um etwa ein Viertel reduziert. Für 2016 wurden von den ÜNB hierfür Kosten von rd. 220 Mio, € angegeben. Betroffen waren im Wesentlichen die Regelzonen von TenneT und 50Hertz. Auch die Menge der Ausfallarbeit durch Einspeisemanagement ist zurückgegangen und beläuft sich auf 2,3 % gemessen an der Gesamterzeugung erneuerbarer Energien. Insgesamt entstanden im Jahr 2016 geschätzte Entschädigungsansprüche in Höhe von 373 Mio € (2015: 315 Mio. €), wobei sich jedoch die Auszahlung inkl. der sich aus den Vorjahren noch angesammelten Entschädigungsansprüche in 2016 auf 643 Mio. Euro beläuft. Wie in den Vorjahren waren auch 2016 in der Mehrzahl Windkraftanlagen am stärksten von EinsMan-Maßnahmen mit einem Anteil von 94,4 Prozent an der gesamten Ausfallarbeit (2015: 87,3 Prozent) betroffen. In Summe belaufen sich die Kosten für Netz- und Systemsicherheit im Jahr 2016 auf rund 890 Mio. Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gesamtkosten der Netz- und Systemsicherheit um insgesamt rund 243 Mio. Euro gesunken (2015: 1.133 Mio. Euro). Dies ist in erster Linie auf den witterungsbedingten Rückgang der Netz- und Systemsicherheitsmaßnahmen im Jahr 2016 zurückzuführen. 

Der Druck auf den Netzausbau wird daher auch eines der wesentlichen Themen sein, die uns über die nächsten Jahre weiter begleiten.