28. April 2020: Bereits zum zweiten Mal hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Barometer „Digitalisierung der Energiewende“ veröffentlicht. Darin wird der Umsetzungsstand des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW) auf den Prüfstand gestellt. Von Sarah Schweizer.

Wir erinnern uns: Mit der Einführung des GDEW im Jahr 2016 sollte der Grundstein für eine moderne Infrastruktur für die Energiewende gelegt und die Verbrauchserfassung in das 21. Jahrhundert überführt werden. Über ein intelligentes Netz (Smart Grid) sollen künftig Strom-erzeuger und -verbraucher digital verknüpft werden und kommunizieren können. Um das Zielmodell der „sternförmigen“ Kommunikation zu erreichen, müssen die alten analogen Zähler gegen neuen intelligenten Messsystemen (iMSys) ausgetauscht werden.

Hierfür sieht das Messstellenbetriebsgesetz einen schrittweisen Rollout der iMSys vor. Zuständig für den Einbau ist nach dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) der grundzuständige Messstellen-betreiber, der im Regelfall mit dem zuständigen Verteilnetzbetreiber übereinstimmt. Von der Möglichkeit der Übertragung des grundzuständigen Messstellenbetriebs auf eine Dritten hat - soweit bekannt - bisher noch kein Verteilnetzbetreiber Gebrauch gemacht. 

Die Gutachter vergeben 36 von 100 Punkten

In diesem Jahr erfolgte mit der Markterklärung endlich der Startschuss für den Einbauprozess der iMSys. Bei weiteren sechs Herstellern steht die Zertifizierung noch aus. Mit der Einbaupflicht ist eine wichtige Zwischenetappe erreicht, die sich im Digitalisierungsbaromter konsequent mit einer positiven Bewertung, d.h. einem Anstieg von 22 auf 36 Punkten, niederschlägt. Dabei wurde neben der tatsächlichen technischen Umsetzung auch die Wahrnehmbarkeit des Rollouts durch die Letztverbraucher positiv berücksichtigt.

In der Gesamtbetrachtung gibt der Rolloutprozess Anlass zum Optimismus: 2,5 Mio. Stück sollen bereits ausgerollt sein. Das entspricht bei insgesamt rund 53,4 Mio. Messlokationen bei SLP-Kunden einer Quote von rund 4,7 %. Bereits 2019 erreichten 20 % der grundzuständigen Messstellenbetreiber die Mindest-Rollout-Quote von 10 % in ihrem Zuständigkeitsbereich.

Gegenstand des Digitalisierungsbarometers sind acht Schlüsselfaktoren: Zertifizierung, Marktkommunikation, Rollout, Stand der Standardisierung, Technologieangebote, Verfügbarkeit von Geräten, Verfügbarkeit und Eignung der Telekommunikation und Kundensicht.

Positiv bewertetet wurden die Fortschritte bei der Umsetzung der sternförmigen Kommunikation und die höhere Planungssicherheit, die mit der Einführung der Marktkommunikation 2020 (Mako 2020) einhergeht. Mit der Mako 2020 hat die Bundesnetzagentur die für die Anpassung der elektronischen Marktkommunikation an die Erfordernisse des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende erforderlichen Festlegungen getroffen. Damit wurde der Weg hin zur sternförmigen Kommunikation weiter geebnet. 

Proprietäre Systeme und Telekommunikationsnetze als Hemmschuh der Digitalisierung

Durchaus kritisch gesehen wird die Entscheidung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dahingehend, EEG- und KWKG-Anlagen bis zu einer installierten Leistung von 100 kW vom Pflichteinbau auszuschließen. Begründet wurde dies durch das BSI mit der noch ausstehenden Angleichung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an das MsbG. Bekanntlich sollchen dabei die Kommunikationsschnittstelle auf weitere Einsatzbereiche, wie etwa die Anlagensteuerung, erweitert werden.

Einen zusätzlichen Hemmschuh für die digitale Energiewende wird in der Dominanz proprietärer Softwaresysteme gesehen, die weder veränderbar noch updatefähig sind und somit keinen Raum für kostengünstige Erweiterungen lassen.

Ungelöst sei auch, dass sich mit den vorhandenen Telekommunikationsnetzen die technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Digitalisierung der Energiewende nur eingeschränkt erfüllen lassen. Essentiell hierfür sehen das BMWi und verschiedene Verbände die Nutzung der 450-MHz-Lizenz. Ohne diese seien die notwendigen Erreichbarkeitsquoten im Massen-Rollout nur unter Rückgriff auf zeit- und kostenintensiver Technologien möglich, die zu einem mehrjährigem Umsetzungsverzug führen könnten.

Das halten die Verbraucher von der digitalen Energiewende

Ein besonderer Blick wurde auf das Verhältnis der Verbraucher zur Energiewende geworfen. Denn ohne eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft gehen alle Bemühungen ins Leere. Im Vergleich zum letzten Jahr sind allerdings nur marginale Veränderungen zu erkennen. Nur 15 % der Haushalte fühlen sich „sehr gut“ oder „gut“ informiert. Bei gewerblichen Verbrauchern ist diese Zahl mit nur 16 % ähnlich niedrig. Immerhin sind sich dabei 31 % der Unternehmen darüber bewusst, ab wann eine Pflicht zum Einbau besteht. Dennoch befürworten rund 49 % der Haushalte den Einbau von iMSys. Nur 22 % lehnen ihn vollständig ab. Meist wird in diesem Zusammenhang der tatsächliche Nutzen der Digitalisierung in Frage gestellt. Aussagekräftige Ergebnisse über die Einstellung der Endkunden können wohl erst nächstes Jahr erwartet werden, wenn die iMSys tatsächlich Einzug in den Alltag der Verbraucher finden.