23. April 2020: Leistungsfähige Software ist die entscheidende Voraussetzung für innovative Geschäftsmodelle im Bereich erneuerbare Energien, regionale Wertschöpfung und E-Mobility. Dazu sprach EP mit Ulrich Setzermann, Principal Consultant bei dem Software Unternehmen Lumenaza.

Herr Setzermann, wie lange gibt es Lumenaza schon und wie kam es zur Gründung?

Setzermann: Lumenaza wurde im Jahr 2013 gegründet. Die Idee kam Gründer und CEO Christian Chudoba bei einer Familienfeier in Süddeutschland. Viele erzeugten ihren Strom mit Hilfe von Biogas- oder Solaranlagen selbst. Aber anders als bei regionalen Lebensmitteln konnte man den Strom nicht direkt vom Nachbarn kaufen. Die Idee für Lumenaza war geboren.

Was hat es mit „grünem regionalem Strom“ eigentlich auf sich?

Setzermann: Wir vernetzten Verbraucher und Produzenten von grünem, dezentral erzeugten Strom in Energie-Communities. Das Tolle daran ist, dass die Verbraucher klar nachvollziehen können, woher der Strom kommt – ähnlich wie eben mit den Lebensmitteln auf dem Bauernhof. Auf der Basis des dezentral erzeugten Stroms lassen sich zudem auch neue, spannende Geschäftsmodelle etablieren, um die immer vielfältigeren und individuellen Wünsche der Konsumenten mit unkomplizierten Angeboten erfüllen. Wir machen grünen Strom zu einem emotionalen Produkt!

Wie ist der genaue Verfahrensablauf für Endkosumenten? Was muss in der Praxis beachtet werden?

Setzermann: Verbraucher können wie bisher bei einem Stadtwerk oder bei Lumenaza selbst einen Vertrag über die Belieferung mit Haushaltsstrom abschließen. Im Vergleich zu anderen Ökostromtarifen wird der Grünstrom jedoch nicht über Zertifikate aus Norwegen abgedeckt, sondern kommt direkt von Anlagen aus einer regionalen Stromgemeinschaft. Neben dem normalen Haushaltsstrom bieten wir auch spezielle Tarife an, die an das individuelle Nutzungs-verhalten angepasst sind. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise zusammen mit Ove Kröger den T&T eMobil-Tarif gestartet, so dass Besitzer von Elektroautos ihr Fahrzeug mit grünem Strom und bis zu 25% preiswerter laden können. Damit reduzieren sie mit ihrem Fahrzeug nicht nur die lokalen Emissionen, sondern unterstützen die Energiewende auch durch die Nutzung erneuerbarer Energie.

Wie viele Projekte haben Sie schon umgesetzt? Gibt es ein spannendes Beispiel?

Setzermann: Wir haben bereits zahlreiche Projekte in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern umgesetzt. Der schon angesprochene eMobil-Tarif ist sicherlich ein Aushängeschild! Er ist auf Besitzer von Elektroautos zugeschnitten. Entscheiden diese sich für das Laden über das Stromnetz und räumen dem zuständigen Netzbetreiber das Recht ein, den Ladevorgang kurzzeitig zu unterbrechen, tragen ihre Fahrzeuge durch das netzdienliche Verhalten zur Stabilität des Netzes bei. Im Gegenzug zahlen die Stromkunden entsprechend wesentlich weniger für den Strom. Eine Regelung im Energiewirtschaftsgesetz (§14a EnWG) erlaubt es Netzbetreibern, den Strombezug bis zu zweimal am Tag kurzzeitig zu unterbrechen. Die Abschaltzeiten werden vom jeweiligen Netzbetreiber festgelegt und veröffentlicht. Solche Tarife sind für die Endkonsumenten einfach abzuschließen und ohne große Vorleistungen zu realisieren. Ein Elektriker muss den Schaltkasten für den Einbau eines zusätzlichen Zählers und einer Steuerungseinrichtung vorbereiten sowie die Wallbox daran anschließen. Der Elektriker macht dann auch eine entsprechende Meldung an den Verteilnetzbetreiber, der anschließend Zähler und Steuerungseinrichtung setzt, im Regelfall kostenlos.

Wie bewerten Sie die aktuelle Krise und die Auswirkungen auf die Elektromobilitätsbranche?

Setzermann: Der vergangene März war der bislang erfolgreichste Monat für Elektroautos in Deutschland: Zum ersten Mal wurden mehr als 10.000 Fahrzeuge neu zugelassen. Gleichzeitig lähmt natürlich die Corona-Krise das weitere Absatzwachstum. Es wird aber aktuell bereits über Ansätze wie Kaufprämien diskutiert und Deutschland wie auch die EU beziehen klar Stellung für einen grünen Aufschwung der Wirtschaft nach der Krise. Deshalb glauben wir daran, dass insbesondere zukunftsfeste Technologien wie eben die Elektromobilität die Krise gut überstehen werden.

Welche regulatorischen Hürden sehen Sie momentan für die Elektromobilität? Gibt es Wünsche an den Gesetzgeber?

Setzermann: In Deutschland haben wir aktuell einen Flickenteppich, was beispielsweise die Steuerung der Ladeinfrastrukturen angeht. Wir sprechen uns für eine Standardisierung der Steuerung aus, was eine einfache Anbindung der Wallbox-, Zähler- und Autohersteller ermöglicht. Dies könnte beispielsweise auch im Rahmen des Smart-Meter-Rollouts umgesetzt werden. Außerdem wünschen wir uns mehr Unterstützung bei der Umsetzung netzdienlicher Tarife. Elektroautos könnten so beispielsweise für bestimmte Zeiträume zum Abfedern von Lastspitzen genutzt werden. Im Gegenzug sollte damit das günstigere Laden ermöglicht werden. Wir regen auch an darüber nachzudenken, ob private Ladeinfrastruktur nicht auch einfacher semi-öffentlich angeboten werden kann. Das würde die Verbreitung von Elektroautos enorm beschleunigen.

Sehr geehrter Herr Setzermann, wir danken Ihnen für Ihre Zeit und das Gespräch.