12. März 2020: Auf allen Ebenen beschäftigt der neue Erreger aktuell das Weltgeschehen. Der Virus, oder besser gesagt: die daraus entstandene Panik verpasst der Weltwirtschaft einen starken Dämpfer, dessen komplette Auswirkungen noch nicht abgeschätzt werden können. Das geht auch an den Energiemärkten nicht spurlos vorbei. Von Dennis Becher.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve sah sich am vergangenen Dienstag gezwungen, einen drastischen Schritt zu unternehmen. Um einer noch stärkeren Abkühlung der Konjunktur entgegenzuwirken, senkte sie den Leitzins gleich um einen halben Prozentpunkt. Eine sehr außergewöhnliche Maßnahme, nicht nur der Höhe nach, sondern auch deshalb, weil sie außerhalb des turnusmäßigen Sitzungszyklus erfolgte. Im Sog dieser Entscheidung beschlossen weitere Institutionen ihrerseits Unterstützungsmaßnahmen oder kündigten zumindest baldige Reaktionen an. So will die Weltbank kurzfristig 10 Milliarden Dollar für Förderprogramme zur Verfügung stellen. Für die nächste Zinssitzung des EZB-Rats am kommenden Donnertag wird erwartet, dass auch die Europäische Zentralbank den Leitzins senken wird. Die geldpolitischen Maßnahmen, die nun ergriffen werden, stoßen nicht bei allen Fachleuten auf Zustimmung. Man befürchtet, dass in Zeiten langanhaltender Niedrigzinspolitik der gewünschte Effekt schnell verpuffen könnte.

Nicht nur die Bänker beschäftigen sich aktuell mit Gegenmaßnahmen zur Eindämmung des wirtschaftlichen Abschwungs. Das technische Komitee der OPEC+ hat seine Empfehlung hinsichtlich Förderkürzungen für die aktuell stattfindende OPEC-Sitzung wegen der Auswirkungen des Coronavirus nach oben hin angepasst. Es empfiehlt eine zusätzliche Kürzung der Ölproduktion um 600.000 bis 1 Million Barrel pro Tag. Man geht davon aus, dass die bisherige Kürzungs-Empfehlung von 600 Tausend bbl. pro Tag vom Markt als nicht ausreichend aufgenommen werden würde.

Wie heute bekannt wurde, wird die Premiere des neuesten Agenten-Klassikers mit dem passenden Titel: „No time to die“ vom April auf den kommenden Herbst verschoben – Grund dafür ist Covid-19. Die Nachricht zeigt, welche teils absurden Ausmaße die Corona-Epidemie mittlerweile erreicht hat und was gegebenenfalls in naher Zukunft noch auf uns zukommen könnte. Da stellen die leeren Mehl- und Nudelregale in den Supermärkten nur das kleinste Problem dar. Die Weltwirtschaft befindet sich aktuell im Würgegriff des Corona-Virus und wird es wahrscheinlich noch eine Zeitlang bleiben.

Heruntergebrochen auf die Energiemärkte und deren Preisentwicklung im Verlauf des Monats Februar lässt sich sehr gut eine ausgeprägte Korrelation zwischen den Meldungen über die Krankenstände und den Preisen erkennen. In der ersten Monatshälfte erreichten uns positive Nachrichten aus China, wonach die Anzahl der Neuerkrankten stagnierte bzw. fiel und die Anzahl der geheilten Patienten erfreulicherweise zunahm. Diese Nachrichten wurden sofort von den Märkten aufgenommen und ließen die Kurse bis zur Monatsmitte teilweise deutlich steigen. In der zweiten Monatshälfte bestätigte sich leider, was Fachleute schon länger prophezeit hatten. Der Virus hat Europa erreicht und führte zunächst in Italien und später auch in anderen mitteleuropäischen Ländern zu einem deutlichen Anstieg der Neuerkrankungen. Die daraus resultierenden Maßnahmen und Folgen für das öffentliche Leben sind bekannt. Parallel zu dieser Entwicklung fielen auch die Energiemarktnotierungen, die auf Monatssicht in Summe ein differenziertes Bild abgeben. Rohöl und Kohle zählen zu den Hauptverlieren, der Stromterminmarkt und die Emissionszertifikate stehen aktuell etwa auf dem gleichen Niveau wie zu Monatsbeginn und die Erdgas NCG-Notierung kann sogar einen Zugewinn von ca. 4% verzeichnen. In der Langfristbetrachtung sieht es für alle Commodities nicht besonders rosig aus, was aus Kundensicht generell kein Problem darstellen sollte. Rohöl war zuletzt im Sommer 2017 auf einem ähnlich niedrigen Niveau, vergleichbar weit muss man auch bei den Kohlenotierungen zurückblicken, um das heutige Preisniveau von 57 $/t für das Frontjahresprodukt zu sehen. Noch gravierender sieht die Situation beim Erdgas aus. Zuletzt im Jahr 2016 war die Lieferung für das Folgejahr ähnlich günstig.

Der Aktienmarkt spiegelt die aktuelle wirtschaftliche Situation ebenfalls sehr gut wider. Ende Februar fiel der Deutsch Aktienindex Dax innerhalb weniger Tage um fast 2.000 Punkte, was etwa 14% entsprach. Manch einer auf dem Börsenparkett sah sich da an die Lehman-Brothers-Pleite aus dem Jahr 2009 erinnert, als die Kurse ähnlich schnell fielen. Die Lage hat sich nach der Entscheidung zur Zinssenkung in den USA stabilisiert. Wirtschaftsexperten warnen jedoch, dass die Situation noch nicht ausgestanden ist und die Folgen der Corona-Krise die Weltwirtschaft noch länger beschäftigen dürften. Energiemarktspezifische Impulse geraten unter dem Einfluss der alles andere überschattenden Corona-Thematik etwas in den Hintergrund.