11. Juni 2019: Um die Klimaziele 2030 zu erreichen, muss an vielen verschiedenen Stellschrauben angesetzt werden. Eine Möglichkeit zur Senkung der CO2-Ausstöße ist die Verwirklichung der Energiewende im Gebäudesektor. Von Carsten Ernst.

Klimaschutzplan schreibt ehrgeizige Ziele vor

Die Bundesregierung formuliert in ihrem Klimaschutzplan 2050 ehrgeizige Ziele. So sollen bis zum Zwischenziel 2030 die durch den Gebäudesektor verursachten Treibhausemmissionen um 50 Millionen Tonnen auf etwa 70 bis 72 Millionen Tonnen gesenkt werden – und das in den verbleibenden zehn Jahren! Heute bereits stattfindende Sanierungsmaßnahmen wie beispielsweise die Installation neuer Dämmungen oder das Einbauen neuer Fenster würden zu den Zielen etwa 20 Millionen Tonnen an Einsparungen beitragen.

Maßnahmeplan

Um weitere Einsparungen bei den Treibhausgasemissionen im Wärmesektor zu erreichen, hat die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) entsprechende Vorschläge unterbreitet. Mit diesen Maßnahmen sollen bis zum Jahr 2030 bis zu 13 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden können. Die Allianz weist in diesem Zusammenhang insbesondere darauf hin, dass bei einer Nicht-Einhaltung der Vorgaben teure Kompensationszahlungen zu leisten wären. Das Maßnahmenpaket enthält diverse Empfehlungen und Fördermaßnahmen. Einige ausgewählte Aspekte werden im Folgenden kurz vorgestellt:

Steuerliche Förderungen für private Hausbesitzer

Diverse Maßnahmen, teilweise auch im aktuellen Koalitionsvertrag der Großen Koalition bereits verankert, sollen so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dazu zählen ein vollständiger Steuerabzug von sanierungsbedingten Aufwendungen, eine einfachere und unbürokratische Abwicklung und eine generelle Technologieoffenheit. Die geea verspricht sich hierdurch eine erhöhte Bereitschaft von Hausbesitzern, ihre Gebäude klimafreundlicher zu sanieren.

Verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Wohnbaugesellschaften

Um auch Wohnbaugesellschaften bei Investitionen in energieeffiziente Sanierungsmaßnahmen zu entlasten, schlägt die geea eine Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten durch Verkürzung der (steuerlich) anzuwendenden Nutzungsdauern vor. Durch diese Maßnahme erhofft sich die geea einen positiven Effekt auf den Umfang der sanierungsbedingten Mieterhöhungen.

Beratungsoffensive

Ein weiterer Ansatz der geea besteht darin, die Energieberatung und die Kommunikation zwischen Investor, Hauseigentümer und Mieter zu optimieren. In mehreren Kampagnen soll auf verschiedene (im Idealfall geförderte) Sanierungsmaßnahmen hingewiesen werden. Energieberater sollen zudem die Möglichkeit erhalten, aktiv auf betroffene Hausbesitzer zugehen zu können.

Weitere Entwicklung

Auch nach der Realisierung der von der geea vorgeschlagenen Maßnahmen verbleibt noch eine zu schließende Lücke im zweistelligen CO2-Millionen-Bereich, um die im Klimaschutzplan 2050 definierten Ziele zu erreichen. Weitere Schritte sind somit zwingend notwendig. Diskutiert werden die Markteinführung weiterer synthetischer Brennstoffe, die CO2-Bepreisung und der Handel mit gebäudespezifischen Energiesparzertifikaten. Darüber hinaus sollen auch die Digitalisierung des Gebäudebetriebs und die energetische Sanierung ganzer Wohnblöcke anstatt einzelner Häuser ihren Beitrag zur Senkung der CO2-Ausstöße leisten.