31. Mai 2019: Durch den steigenden Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen stellt sich vermehrt die Frage, wie und wo diese Autos aufgeladen werden können. Eine Möglichkeit besteht hierbei in der Errichtung eigener Ladesäulen auf dem Firmengelände. Von Carsten Ernst.

Steigender Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen

Der Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen auf deutschen Straßen nimmt stetig zu. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen aufgrund eines Wertewandels in der Gesellschaft hin zu einer „grünen Mobilität“ ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe, zum anderen aufgrund der finanziellen und steuerlichen Förderung der Elektro- und Hybridmobilität.

Insbesondere die seit dem 1. Januar 2019 geltende Halbierung der Bemessungsgrundlage für die Berechnung des geldwerten Vorteils für die Privatnutzung von Firmenfahrzeugen wird dazu führen, dass sich die Zusammensetzung der Firmenfahrzeugflotte deutlich in die Richtung Elektro- und Hybridfahrzeuge verschieben wird. Aber auch das Umweltbewusstsein der Mitarbeiter und weitere Förderinstrumente (bspw. Zuschüsse von bis zu 4.000 Euro bei einem Kauf eines Elektro- oder Hybridfahrzeugs) werden dazu führen, dass auch Mitarbeiter ohne Firmenfahrzeug zunehmend mit Elektro- oder Hybridfahrzeuge zur Arbeit fahren.

Unternehmen sind damit zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob sie diesen Trend durch die Schaffung einer entsprechenden Ladeinfrastruktur auf dem Firmengelände begleiten und unterstützen möchten.

Vorteile einer Ladeinfrastruktur auf dem Firmengelände

Zunächst leistet das Angebot von Ladepunkten auf dem Firmengelände einen Beitrag zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität und damit einen positiven Beitrag zur Mitarbeiterbindung und Mitarbeitergewinnung. Im Gegensatz zu versteuernden geldwerten Vorteilen wie Essens-gutscheine oder Dienstwagen ist die Bereitstellung von kostenlosem bzw. kostengünstigem Strom zum Aufladen der Fahrzeuge steuerfrei (dies gilt sowohl für Firmen- als auch für Privatfahrzeuge der Mitarbeiter).

Auch Kunden und Geschäftspartner sollten während Ihrem Besuch im Unternehmen die Möglichkeit bekommen, die vorhandenen Ladestationen zu nutzen. Somit leistet die Ladeinfrastruktur auch einen positiven Beitrag zur Kundenbindung.

Darüber hinaus präsentiert sich ein Unternehmen durch firmeneigene Ladestationen auch im Außenverhältnis umweltbewusst und nachhaltig, mit entsprechend positiver Auswirkung auf das Image in der Öffentlichkeit.

Herausforderungen beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur

Die Herausforderungen beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur sollten allerdings nicht unterschätzt werden.

Zunächst sollte der Markt der verschiedenen Ladeenergieanbieter sondiert und verschiedene Angebote eingeholt werden. Je nach Anzahl und Größe der geplanten Ladesäulen ist zusätzlich mit dem Energieversorger abzustimmen, ob ggf. infrastrukturelle Ausbaumaßnahmen erforderlich sind. Dabei ist stets sicherzustellen, dass die geplanten Anlagen in der Zukunft eventuell erweitert werden können, sofern das Angebot angenommen und stark nachgefragt wird. Um evtl. Stromausfälle zu vermeiden, ist zwingend die maximale Gesamtbelastung zu simulieren und ggf. durch IT-gestützte Lastenmanager zu optimieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage der Abrechnungsmodalitäten. Je nach Nutzer der Ladestation (Kunde/Geschäftspartner, Mitarbeiter mit Privatfahrzeug, Mitarbeiter mit Firmenfahrzeug) sind unterschiedliche Abrechnungsmodelle erforderlich.

Förderzuschüsse

Ein weiteres Stichwort in diesem Zusammenhang ist die öffentliche Förderung. Bisher bestehen keine bundesweiten Förderprogramme, mit denen der Aufbau einer Ladeinfrastruktur bezuschusst wird. Als erstes Bundesland fördert Nordrhein-Westfalen direkt die Installation von Ladeinfrastruktur. In ihrem bereits bestehenden Programm „progres.nrw“ hat NRW den Programmbereich Emissionsarme Mobilität eingeführt, durch den gezielt (nicht-)öffentliche Ladepunkte gefördert werden. Zwar richtet sich das Programm in erster Linie an Privatpersonen, kleine und mittlere Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen, prinzipiell steht das Programm jedoch jedem Unternehmen offen. Mitunter können dabei bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben erstattet werden.

Fazit

Auch wenn die Einmalinvestition für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur nicht zu unterschätzen sind (insbesondere bei größeren Eingriffen in die Gebäudesubstanz), werden in Zukunft zunehmend mehr Unternehmen diesen Weg gehen. Vor dem Hintergrund der Mitarbeiter- und Kundenbindung, der steuerlichen Vorteile, einer evtl. Nutzung von Förderzuschüssen und der positiven Öffentlichkeitswirkung vermutlich tatsächlich eine Win-Win-Situation.