10. April 2019: Energiewende und Digitalisierung: diese beiden Begriffe bedeuten für Stadtwerke vor allem Investitionsbedarf und damit einhergehend hohe Kosten. Kommunale Unternehmen werden sich auf neue Zeiten einstellen müssen, um langfristig am Markt bestehen zu können. Von Carsten Ernst.

Große Herausforderungen für Stadtwerke

Die Energiewirtschaft steht aufgrund der Energiewende und der Digitalisierung gleich vor zwei großen Herausforderungen. So verursacht die Energiewende hohe Kosten für Investitionen in erneuerbare Energien und einen intensiven Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Anbietern. Und als ob das alleine nicht schon Herausforderung genug wäre, müssen insbesondere Stadtwerke hohe Investitionen im Bereich der Digitalisierung tätigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Enge Verzahnung von Kommunen und Stadtwerken

Betroffen von diesen Entwicklungen sind nicht nur Stadtwerke, sondern auch die dahinter stehenden Kommunen. Diese agieren meist als alleiniger Gesellschafter oder zumindest als Teilhaber. Dabei sind Stadtwerke für ihre Kommunen weitaus mehr als „nur“ eine Tochtergesellschaft. Sie übernehmen durch die Strom-, Gas- und Wasserversorgung elementare Aufgaben der Grundversorgung. Zu weiteren Aufgabengebieten gehört der - meist defizitäre - Bereich Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), dessen rote Zahlen – soweit möglich - aus anderen Bereichen der jeweiligen Stadtwerksgesellschaft ausgeglichen werden sollen. Gerade das stellt sich aber vor den o.g. Herausforderungen in Verbindung mit Energiewende und Digitalisierung als zunehmend schwierig heraus. Die Folge für die Kommunen: Unterstützungsleistungen – in welcher Form auch immer – anstatt Ausschüttungen.

Aktuelle Studie bestätigt den Trend

Die Beratungsgesellschaft KPMG hat im Jahr 2018 die finanzielle Lage von Stadtwerken und ihren kommunalen Trägern in einer Studie analysiert. Betrachtet wurden 91 Stadtwerke, von denen knapp die Hälfte als kritisch eingestuft wurden. Kriterien dieser Einstufung sind finanzielle Kennzahlen, darunter EBITDA und die Eigenkapitalquote. Für die negative Bewertung war meist die hohe Verschuldung ausschlaggebend, hinzu kommt häufig eine zu geringe Zinsdeckung. In der Studie wird darauf hingewiesen, dass sich die Lage der Kommunen einerseits und der Kommunalunternehmen andererseits seit dem Jahr 2016 verschlechtert hat. Auch kurz- und mittelfristig sei mit keiner Entlastung bzw. Verbesserung zu rechnen.

Es bleibt festzuhalten, dass diese Entwicklungen mehrere Ursachen haben. Neben den erwähnten Begebenheiten spielen auch weitere gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Implikationen eine Rolle. Hierzu zählen der demografische Wandel (Bevölkerungsrückgang), und gewisse Aufwendungen für die Restrukturierung bzw. Reorganisation.

Fokussierung auf Kerngebiete

Um den Herausforderungen Energiewende und Digitalisierung zu begegnen, sollten sich Stadtwerke auf ihre Kerngebiete fokussieren. Den Stadtwerken wird es künftig quasi unmöglich sein, mit der gleichen Kraft in bisherige Geschäftsfelder zu investieren und darüber hinaus noch Neue zu erschließen. Hierfür fehlen den meisten kommunalen Unternehmen schlichtweg die finanziellen Mittel. Ob und in welchem Umfang die Bereiche Erzeugung, Netz, Vertrieb und Dienstleistungen auch in der Zukunft von den einzelnen Stadtwerken selbst und vollumfänglich bedient werden können, lässt sich nicht allgemeingültig ableiten und ist vom Einzelfall abhängig. Sicher scheint nur, dass sich die Kommunalunternehmen verändern müssen, um nicht im zunehmenden Wettbewerb ins Hintertreffen oder gar in die Insolvenz zu geraten.

Kooperation als Königsweg?

Ein möglicher Lösungsansatz hierfür ist eine Kooperation mehrerer Stadtwerksgesellschaften. Solche Konstrukte haben neben Kosteneinsparungen durch Synergieeffekte den Vorteil, weiterhin dem Endkunden eine breite Bandbreite an Produkten und Dienstleistungen anzubieten. Einer Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) zufolge, befürchten jedoch die Vorstände von Stadtwerken insbesondere die damit einhergehenden Abhängigkeiten. Um mögliche Insolvenzen in der Zukunft zu verhindern, würde allerdings mancherorts kein Weg an dieser Möglichkeit vorbeiführen.