21. Februar 2019: Mit den steigenden Zahlen an Elektroautos auf deutschen Straßen steigt zeitgleich auch der Bedarf an Ladeinfrastruktur. Diese entwickelt sich zurzeit zu einem umkämpften Geschäftsfeld, mehrere Unternehmen versuchen Marktanteile zu gewinnen. Von Carsten Ernst.

Ausbau schreitet voran

Jahrelang war das Geschäftsfeld von Ladeinfrastruktur für Energieversorger nicht sonderlich attraktiv. Deutsche Autobauer hinkten bei der Entwicklung und dem Vertrieb von Elektroautos im internationalen Vergleich hinterher. Aufgrund der Tatsache, dass seit wenigen Jahren ein Umdenken deutscher Autohersteller stattgefunden hat und die Zahl an Elektroautos auf deutschen Straßen bereits gestiegen ist bzw. in den nächsten Jahren exponentiell steigen wird, wird auch im Bereich der Ladesäulen allmählich klar, dass sich etwas tun muss und Investitionen nötig sein werden.

Nach und nach drängen verschiedene Player auf den Markt. Neben Energieversorgern sind das in erster Linie die Autohersteller selbst, dazu reihen sich noch ausländische Wettbewerber. 

So hat beispielsweise Volkswagen zu Beginn des Jahres das Tochterunternehmen Elli (Electric Life) gegründet. Elli entwickelt als eine Art Stromanbieter Energiedienstleistungen und stellt Ladelösungen bereit. Zunächst soll sich das Start-Up auf den VW-Konzern konzentrieren und die firmeninterne Infrastruktur modernisieren, im nächsten Schritt plant der VW-Konzern mit Hilfe von Elli einen Angriff auf die großen Energieversorger wie RWE und E.ON.

Auch ausländische Unternehmen haben Bestrebungen, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Allen voran der US-Konzern Charge Point, mittlerweile Marktführer in den USA, versucht sich wertvolle Marktanteile in Deutschland zu sichern. Als Partner sieht man hierzulande auch Autobauer, denn Daimler und BMW haben zur Finanzierung der Europa-Offensive von Charge Point beigetragen.

Bloßer Betrieb von Ladesäulen ist unattraktiv

Der Ausbau der Ladesäulen muss Schritt halten mit der steigenden Anzahl an E-Autos. Hierzu schlägt die EU-Kommission eine Quote von einer Ladesäule pro zehn Elektroautos vor. Um dieses Ziel auch nachhaltig erreichen zu können sind größere Investitionen notwendig.

Doch es gibt einen Haken. Der bloße Betrieb von Ladesäulen ist wirtschaftlich nicht lukrativ. Die Investitionskosten pro Ladesäule schwanken, liegen aber schätzungsweise bei 10.000 Euro. Das Geld lässt sich nur schwer wieder über den Vertrieb von Strom einspielen. Daher lassen sich Unternehmen wie Charge Point andere Modelle einfallen. So betreibt der US-Konzern die Säulen nicht selbst, sondern verkauft diese lokal an ihre Abnehmer. Dazu zählen vermehrt Lebensmittelgeschäfte und Unternehmen ab dem Mittelstand, die für ihre Kunden bzw. Mitarbeiter die Ladesäulen zur Verfügung stellen. Vergütungen erhält Charge Point daraufhin für laufende Wartungen, Reparaturen und für den Betrieb des IT-gestützten Abrechnungssystems.

Ziele bleiben schwer zu erreichen

Es bleibt jedoch abzuwarten, inwiefern der Ausbau in den nächsten Jahren vorankommt. Um die Installation und den Betrieb von Ladesäulen in Deutschland finanziell attraktiv zu gestalten, hat die Bundesregierung bereits im Jahr 2016 die Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur beschlossen. Gemäß dieser Initiative sollen bis zum Jahr 2020 15.000 zusätzliche Ladestationen in Betrieb genommen werden. Aktuell sind zwar schon mehr als diese 15.000 Ladesäulen bewilligt, gebaut und in Betrieb genommen sind davon jedoch nur rund 1000.

Viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass die Bundesregierung ein Jahr nach der Förderrichtlinie in ihrem Koalitionsvertrag von insgesamt 100.000 Ladesäulen bis 2020 spricht. Im Dezember 2018 waren es gerade einmal knapp über 16.000.