19. Dezember 2018: Im Jahr 2018 wird der Bruttostromverbrauch voraussichtlich zu 38 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt werden, ein Anstieg um 2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Allerdings reicht dieser Zubau vermutlich nicht aus, sofern man das 65-Prozent-Ziel im Jahr 2030 erreichen will. Von Carsten Ernst.

Historischer Rekord

Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) geben in einer aktuellen Mitteilung bekannt, dass sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland auf einem neuen historischen Höchststand befindet. Laut einer Hochrechnung für das gesamte Jahr 2018 (inkl. zweite Dezemberhälfte) bestimmen die Verbände die Gesamterzeugung regenerativen Stroms auf beinahe 229 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh). Höchststände im abgelaufenen Jahr wurden im Januar, April und Mai mit jeweils bis zu 43 Prozent erreicht, der Dezember wird ähnlich stark eingeschätzt.

Wind bleibt vorne, Wasser mit großem Minus

Betrachtet man die unterschiedlichen erneuerbaren Energieträger, ist auch dort beinahe ausnahmslos eine Steigerung zu erkennen. Die stärkste Erneuerbaren-Quelle im abgelaufenen Jahr bleibt Wind Onshore dank sieben prozentiger Steigerung mit knapp 94 Mrd. kWh (Vorjahr: 87 Mrd. kWh). Auf dem zweiten Platz folgt Biomasse mit 52 Mrd. kWh und einer rund zwei prozentigen Steigerung. Auf dem dritten Platz steht die Photovoltaik mit mehr als 46 Mrd. kWh. Diese verzeichnet im Jahr 2018 das größte Plus, denn die 39,4 Mrd. kWh im Vorjahr bedeuten eine Steigerung um knapp 17 Prozent. Es folgt Wind Offshore mit 19 Mrd. kWh, eine Erhöhung um ca. 10 Prozent.

Einzig die Wasserkraft hat im Jahr 2018 einen Rückgang zu verzeichnen. Von 20,2 Mrd. kWh im Jahr 2017 sinkt der Anteil dieser Stromerzeugung um mehr als 16 Prozent auf ca. 17 Mrd. kWh. Zurückzuführen ist das vor allem auf die lang anhaltendere Trockenheit in 2019 im Vergleich zum Vorjahr.

Verbände bleiben skeptisch

Trotz dieser auf den ersten Blick erfreulichen Zahlen sind die Verbände noch skeptisch. Vor allem das Ziel, im Jahr 2030 bereits 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs durch Erneuerbare Energien zu erzeugen, scheint äußerst schwierig erreichbar zu sein. Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung fordert zügige Sonderausschreibungen für Wind Offshore, da dort bisher noch Potenzial verschenkt werde. Ebenfalls wünscht er sich eine Förderung der Akzeptanz für Windkraftprojekte an Land und eine Beschleunigung des Netzausbaus.

Aktuelle Äußerungen von Prof. Dr. Frithjof Straiß, geschäftsführendem Vorstandsmitglied des ZSW, zielen ebenfalls in dieselbe Richtung. Er fordert den Ausbau von Flexibilitätsoptionen, sodass Angebot und Nachfrage von Ökostrom optimal in Einklang gebracht werden können. Dafür müsse die Politik mehr Anreize schaffen für die Anschaffung verschiedener Stromspeichersysteme.