15. November 2018:  Die FfE hat für die Stadtwerke München die Wärmeverbrauchsstruktur des Münchner Wohngebäudebestands untersucht und aufgezeigt, welche Einsparungen bis 2040 möglich sind. In zwei Szenarien wird die potenzielle Reduktion der CO2-Emissionen abgeschätzt und ein Zielszenario berechnet. Von Serafin von Roon und Christa Dufter

Da in München 80 % der CO2-Emissionen des Gebäudebestands durch die Wohngebäude (Ein- und Mehrfamilienhäuser) verursacht werden, lag der Fokus der folgenden Analysen auf diesen Bereich. In zwei Szenarien – ambitioniert und forciert – wird die potenzielle Reduktion der CO2-Emissionen bis 2040 abgeschätzt. Zusätzlich wird ein Zielszenario mit entsprechenden Maßnahmen berechnet, das den notwenigen Einsparungen des Münchner Klimaschutzziels (Reduktion auf 0,3 t CO2 pro Kopf) entspricht.

Zunächst wird deutlich, dass im Falle einer Fortschreibung der bisherigen Anstrengungen (ambitioniertes Szenario) in Bezug auf Sanierung und Kesseltausch das Klimaziel der Stadt klar verfehlt wird. Dies überrascht vor allem deswegen, da bei den Berechnungen angenommen wird, dass die Fernwärme bis 2040 CO2-neutral (vor allem durch den Einsatz der Tiefengeothermie) bereitgestellt werden kann. Selbst bei optimistischen, aber noch realisierbaren Annahmen (forciertes Szenario mit verstärkten Umsetzungsraten, einer erhöhten Sanierungstiefe und einer Nachverdichtung des Fernwärmenetzes), verbleibt weiterhin eine Lücke zu den gesteckten Einsparzielen.

Das Zielszenario kann unter heutigen Rahmenbedingungen nicht erreicht werden. Eine rechnerische notwendige Reduktion ergibt sich nur durch die Hinzunahme von drei weiteren Maßnahmen: einem Ausbau des Fernwärmenetzes (aufgrund der sinkenden Wärmebelegungs-dichte meistens nicht wirtschaftlich darstellbar), einer Beimischung von 10 % erneuerbarer Gase in das Erdgasnetz (ein Einsatz dieser sehr aufwändig bereitzustellenden Energieträger wird vermutlich eher im Verkehrs- oder Hochtemperaturbereich erfolgen) und der Einsatz von Wärme-pumpen in Bestands-Mehrfamilienhäusern (praktische Hemmnisse beim notwendigen Umbau).

Die folgende Abbildung fasst die CO2-Emissionen des Jahres 2014 sowie die Ergebnisse der drei Szenarien zusammen.

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CO2-Emission der Münchner Wohngebäude im Jahr 2014 und Reduktion bis 2040 in den drei Szenarien.

Die Ergebnisse zeigen, dass erhebliche Anstrengungen zur Erreichung der Klimaschutzziele notwendig sind. Die gilt umso mehr für andere Städte in Deutschland, die nicht wie München mit dem Schatz der Geothermie gesegnet sind.

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(von Links) Dr.-Ing. Serafin von Roon (Geschäftsführer der FfE GmbH) und Prof. Dr. Florian Bieberbach (Vorsitzender der Geschäfsführung der Stadtwerke München) bei der Vorstellung der Studie im Heizkraftwerk Süd. 

Die Studie kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.