29. Oktober 2018: Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben am 15.10.2018 die Höhe der ab dem Jahr 2019 geltenden EEG-Umlage veröffentlicht. Die Umlage beträgt dann 6,405 ct/kWh und sinkt damit zum zweiten Mal in Folge. Die neugefasste Offshore-Netzumlage (bisher: Offshore-Haftungsumlage) allerdings verzehnfacht sich. Von Carsten Ernst.

EEG-Umlage sinkt auf 6,405 ct/kWh

Die vier deutschen ÜNB (Tennet TSO, 50Hertz Transmission, Amprion und TransnetBW) senken die EEG-Umlage von bisher 6,792 ct/kWh auf 6,405 ct/kWh. Das ergibt einen Rückgang um 5,7% im Vergleich zum Vorjahr. Mit dieser zweiten Reduzierung in Folge nähert man sich nun wieder dem Niveau der 2014er Umlage an.

Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Die Bundesnetzagentur sieht darin eine Bestätigung der EEG-Reformen der vergangenen Jahre. Beispielsweise seien durch die Einführung von Ausschreibungen die Förderkosten für neue EE-Anlagen gesunken. Weitere Gründe für die Senkung sind die deutlich gestiegenen Börsenstrompreise und der hohe Stand des EEG-Umlagekontos. Dieses betrug per 30.09.2018 stolze 3,65 Mrd. Euro.

Offshore-Netzumlage steigt auf 0,416 ct/kWh

Die neu eingeführte Offshore-Netzumlage, welche die bisherige Offshore-Haftungsumlage ersetzt, entwickelt sich mehr als gegensätzlich. Sie beträgt 0,416 ct/kWh im Vergleich zu der Haftungs-umlage im Vorjahr mit 0,037 ct/kWh.

Hauptgrund hierfür das im Juli 2017 in Kraft getretene Netzentgeltmodernisierungsgesetz mit der Neuerung, dass ab dem Jahr 2019 auch die Kosten für die Anbindung der Offshore-Windparks der Nord- und Ostsee in die Umlagenberechnung einfließen. Bisher war es auf die Kosten für Entschädigungen bei Störungen oder Ähnlichem beschränkt.

Reaktion der Verbände

Da im Bereich der Erneuerbaren Energie viele verschiedene Interessen vorherrschen und ggf. aufeinanderprallen, ließ auch die Bekanntgabe der ÜNB Vertreter verschiedener Verbände aufhorchen. Grundsätzlich wird das Absinken der EEG-Umlage positiv aufgenommen, dafür werden die gestiegenen Netzentgelte mitunter scharf kritisiert.

Der Bundesverband der deutschen Industrie sieht sich mit dem Sinken der EEG-Umlage getäuscht, denn die Gesamtstromkosten würden sich durch die deutlich erhöhten Netzkosten sogar noch erhöhen. Ähnlich argumentiert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Dessen Hauptgeschäftsführer sieht in den geringfügig gesunkenen EEG-Umlagen und den deutlich erhöhten Strombeschaffungskosten nur einen Gewinner: den Bundesfinanzminister, der von den nach wie vor hohen Abgaben und Steuern profitiert.

Für den Verband kommunaler Unternehmen (VKU) steht parallel zum Ökostromausbau auch der Netzausbau im Vordergrund. Der VKU ist in dieser Hinsicht der Meinung, dass dies im politischen Diskurs bisher nicht genügend gewürdigt wurde und fordert eine rechtliche Anerkennung für intelligentere Stromverteilnetze, um die veralteten Stromautobahnen zu entlasten.

Für die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserversorgung steht nun die intensive Kommunikation mit dem Kunden im Vordergrund. Denn die Erwartungshaltung, dass durch das Sinken der EEG-Umlage auch der Strompreis insgesamt sinkt, könne nicht befriedigt werden. Im Gegenteil – für das nächste Jahr rechnet die Arbeitsgemeinschaft mit steigenden Beschaffungskosten und erhöhten Netzentgelten.